CNVC-Zertifizierung: Der Weg ist das Ziel

Claudia BroadhurstVon Claudia Broadhurst

Ich erinnere mich noch gut an den Tag im Jahr 2007, an dem ich die Unterlagen für meine erste Jahresgruppe in der Post hatte. „Trainerausbildung“ stand darin, und ich dachte: „Das brauche ich nicht, ich will GfK doch nur in meinem eigenen privaten und beruflichen Umfeld anwenden und nicht als Trainer lehren…“

So habe ich es fünf Jahre lang wahrgenommen. Als sich 2012 meine berufliche Situation dramatisch veränderte, fasste ich den Entschluss, den Weg der Zertizierung zu gehen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich etwa 80 Seminartage bei verschiedenen zertizierten Trainern angesammelt und assistierte gerade in einer Jahresgruppe.

Jeden Schritt in Richtung Zertifizierung habe ich zunächst als mühsam wahrgenommen. Wer könnte meine Assessorin sein? Wer wird mein Mentor in diesem Verfahren? Was schreibe ich in diese Absichtserklärung? Wann kann ich zu den Mentoring-Tagen fahren? Wo kommen die Feedbacks her? Welche Seminare möchte ich noch geben, die für den Zertifizierungsprozess relevant werden können? Erstaunlicherweise fügte sich dann vieles auf wunderbare Weise.

Nachdem ich zwei Monate um die Absichtserkläung geschlichen bin, entschied ich mich, zunächst „nur“ die angesammelten Trainings aufzulisten. Drei Stunden später war das komplette Papier fertig. Simran K. Wester stimmte sofort zu, mich als Mentorin zu begleiten. Ein Teilnehmer der Mentoring-Tage fiel aus, ich bekam einen Nachrücker-Platz. Ein Bildungsträger suchte eine Urlaubsvertretung und ich konnte in geschütztem Rahmen Seminareinheiten zu diversen GfK-Themen unterrichten.

Ein Jahr, nachdem ich den Entschluss gefasst hatte, den Weg der Zertizierung zu gehen, lagen alle Puzzle-Steine auf meinem Tisch. Nun galt es, daraus drei Bilder zusammenzusetzen: Die Schlüssel-Unterscheidungen als Ausdruck dessen, was ich über die GfK gelernt hatte, die Trainingsliste als Reflexion meiner Arbeit und die Zusammenstellung der Feedbacks mit einer Einordnung. Jede dieser Aufgaben bin ich mit Ärger und Unmut angegangen. Meine Gedanken dazu im Vorfeld: Lästig, überflüssig, doof, Fleißarbeit, mühsam.Assessment-Verfahren Claudia Broadhurst-p1-1

Insgesamt hat mich die Aufbereitung rund einen Monat intensive Schreibtischarbeit gekostet. Ganz unerwartet brachte jeder einzelne Schritt eine große Genugtuung, ein Glück, eine besondere Form von Wertschätzung mit sich. Bei den Schlüsselunterscheidungen hatte ich die Texte von drei KollegInnen vorliegen, die mir bei manchen Punkten geholfen haben, allein nur den Sinn der jeweiligen Frage zu verstehen. „Idiomatische versus klassische Giraffe“ – hallo? „Bedürfnis versus Bitte“ – wie konstruiere ich daraus eine Schlüsselunterscheidung?

Die Trainingsliste zeigte mir auf, welchen Weg ich seit Beginn meiner GfK-Laufbahn genommen hatte. Ich habeAssessment-Verfahren Claudia Broadhurst-Trainingsliste mich vom neuesten Training zum ältesten bewegt und war entzückt, die Lernfortschritte zu erkennen.

Die Aufarbeitung der Feedbacks führte mich in einen intensiven Dialog mit mir selbst. Da gab es Wertschätzung zu feiern, Meinungen von Autoritäten einzuordnen und eigene Konzepte zu überprüfen. Ich hätte diese intensive Auseinandersetzung mit den Rückmeldungen ohne die Zertizierung nie vorgenommen! Die Bearbeitung der Feedbacks hat mir noch einmal einen neuen Blickwinkel auf die Trainings ermöglicht und innerhalb von wenigen Wochen hat sich bei manchen Themen meine Einschätzung von „super gelaufen“ zu „verbesserungswürdig“ verändert. Wie großartig, das zu erkennAssessment-Verfahren Claudia Broadhurst-Feedbacksen!

Nach jedem abgeschlossenen Thema erfüllte mich tiefe Dankbarkeit für diese Arbeit. Höhepunkt war das Pre-Assessment, das bei Marianne Sikor stattfand und mehr als vier Stunden dauerte. Noch heute freue ich mich, dafür nach Göttingen gefahren zu sein. Ein lebendiger, wertschätzender Austausch, Verbindung, Verstehen, Gemeinschaft, an einem Strang ziehen – wunderbar und bereichernd.

Das Assessment selbst schien mir leicht und einfach nur folgerichtig. Die Anregungen der Kolleginnen und Kollegen waren hilfreich und wohlwollend, die Gemeinschaft nährend. Einziger Wermutstropfen: die Bürokratie. Auch ein Vierteljahr nach Abschluss des Zertizierungsverfahrens in Deutschland ist vom CNVC in den USA noch keine Anerkennung ausgesprochen. So kann es gehen in einer Non-Profit-Organisation, die personell dünn besetzt ist…

——————————-

Inzwischen ist Claudias Zertifizierung mit der Verkündigung durch das CNVC offiziell abgeschlossen – herzlich willkommen, liebe Claudia, in unserer CNVC-Trainergemeinschaft! Wer mehr über Claudia erfahren möchte, findet hier weitere Informationen: www.empathiespedition.de

Hier noch der Bericht zum Runterladen als pdf-Datei: Assessment-Verfahren Claudia Broadhurst